Was macht man aus seinem Leben, aus seiner wertvollen Freizeit, aus den letzten Sommerferien als Schüler, wenn ein ganzer Sommer lang keine richtige Lebensfreude aufkommen mag, wenn man ziellos in den Tag hinein lebt, in Erinnerungen schwelgt, Angst vor der Zukunft hat, nostalgisch wird und sich einfach keine Motivation finden lässt?
- Sich trotzdem nicht aufgeben, sich an kleinen Dingen des Lebens umso intensiver erfreuen, sich neuen Aufgaben widmen und mit dem zufrieden sein, was man hat.
Das war ganz klar mein Motto für die ersten drei Ferienwochen des Sommers 2011. Und wenn einfach auf einen Schlag alles über den Haufen geworfen wird, was einem gestern noch die Welt bedeutete, kommt man wohl oftmals auf die kreativsten Ideen. So erging es mir zumindest.
Um mich da verstehen zu können, muss ich wahrscheinlich erst erwähnen, dass ich zwei linke Hände habe. Ich bin so etwas wie ein Komplettausfall in künstlerischen/malerischen Dingen. Es ist nicht so, dass mich Kunst nicht begeistern kann; beispielsweise war der Besuch des Dalí-Museums in Spanien dieses Jahr eine ziemlich bereichernde Erfahrung für mich. Doch wenn es dann darum geht, mich selbst künstlerisch auszudrücken, tue ich das ausschließlich in Form der Musik oder Sprache. Malen, zeichnen, sowie basteln kann ich, so wurde es mir sogar ein ums andere Mal von Kunstlehrern, Mitschülern oder meinem eigenen Vater (technischer Zeichner!) bescheinigt, kann ich maximal auf Grundschulniveau. An guten Tagen.
Das dachte ich zumindest immer. Bis vor drei Monaten etwa. Bis mich ein guter Freund, und zwar niemand anderes als der wohl
künstlerischste und kreativste Gleichaltrige, den ich persönlich kenne (man beachte nach Lesen des kompletten Beitrags die digitale Umsetzung des Ganzen anhand des Logos der Seite), auf ein Youtube-Video aufmerksam gemacht hat.
Dieses Video zeigt ein Origamitutorial. Schritt für Schritt wird erklärt, wie man den Klassiker unter den Origamifiguren, den Kranich, auch ohne (
Achtung: Vorurteilsalarm!) asiatische Gene einigermaßen gut hinkriegt. Ich wusste genau, dass das Video, obwohl das Tutorial ja für ihn "total einfach" war, wahrscheinlich mal wieder eine unlösbare Aufgabe für mich sein würde, da selbst beim Papierfliegerbauen meine kreative Grenze regelmäßig bei Weitem überschritten wird. Und ich übertreibe nicht.
Trotzdem schnappte ich mir ein Blatt und faltete. Und faltete. Und faltete. Und scheiterte erst. Gab jedoch nicht auf und irgendwann, es ist mir bis heute ein Mysterium, sah mein Faltkranich so aus wie der Faltkranich im Video. Und ich war baff! ICH habe durch meine eigenen Hände etwas geschaffen, das zumindest in Ansätzen so aussieht, wie der Kranich von dem Typen im Video, der das augenscheinlich schon lange macht. Balsam für mein Selbstbewusstsein!
Durch den so entstandenen Ehrgeiz fand meine Origamieuphorie in den nächsten Tagen ihren Höhepunkt: Neben einem Raben, einem pulsierenden Herz und einem Dino sind weitere Figuren durch Youtubevideos entstanden, die gar nicht so leicht sind und trotzdem, naja, okay aussehen. Ich bin Realist und weiß ja, was ich nicht kann, weswegen ich mich an Elefanten, Seerosen und Sonnen erst gar nicht versuchte.
Mittlerweile habe ich einen Großteil meiner
Kunst signiert und denen geschenkt, die mich in meinem künstlerischen Werdegang immer so tatkräftig unterstützt haben. Also meinem Vater, der sich nie das Lachen verkneifen kann, wenn ich etwas male und meine Kunstbilder bis zur 9. Klasse für mich gemacht hat.
Die entstandenen Figuren haben nicht nur meine Freizeit totgeschlagen, sondern mich auf irgendeine Weise nach Vorne gebracht, mich erfreut und mir Energie gegeben, sodass ich mich frage, wieso ich überhaupt damit aufgehört habe.
Einige Figuren konnte ich vor dem großen bösen schwarzen Loch in meinem Zimmer, das alle Dinge zum Verschwinden bringt, in Sicherheit bringen und möchte sie euch nicht vorenthalten.
Obacht! Dies wird sehr, sehr, sehr, sehr, sehr wahrscheinlich der letzte und einzige Beitrag für sehr lange Zeit sein, der das Label "Kunst" trägt!