Solche Sätze hört man so unglaublich oft, wenn man nur die Ohren weit genug öffnet und mit Gleichaltrigen ins Gespräch über ihre Lebensperspektiven und Zukunftsvorstellungen kommt. Irgendwie wohl schon zu oft. Zu inflationär wird mit dem Begriff Familienmensch um sich geworfen. Fragt man nach Gründen, so erhält man eine Auswahl folgender Statements:
- Ich habe schon so viel mit meiner Familie durchgestanden, dass ich einfach weiß, dass wir auch in Zukunft alles schaffen werden!
- Hallo? Meine Mama hat mich geboren. Eine intensivere Verbindung gibt's doch nicht!
- Meine Familie hat mich mein ganzes Leben lang begleitet, ich will nicht, dass diese Verbindung aufbricht!
- Zu Hause werde ich bekocht und bewirtet, versorgt und rundum verpflegt. Ich brauche für nichts zu bezahlen. Mama macht meine Wäsche und Papa macht alles Handwerkliche! Ich wär ja schön doof, wenn ich das aufgeben würde.
Andererseits gibt es dann auch die Nestflüchter. Deren Argumente für ein Ende der elterlichen Verbindung:
- Ich will wegziehen, weg von meinen Eltern. Für mich bedeutet dieser Schritt das Ende meiner Kindheit! Ich bin jetzt erwachsen. Das kann ich nur ohne Eltern so richtig ausleben.
- Ich will auf eigenen Füßen stehen, da ich so endlich mehr Verantwortung tragen kann und mir beweisen will, dass ich es kann! Hah!
- Ich kann meine Alten nicht mehr ab, ey. Bin froh, wenn ich die los bin und mich niemand mehr anschnauzt, ich solle Hausarbeiten erledigen! Ich bin 18, tu, was ich will und niemand macht mir Vorschriften, mit wen ich nach Hause einlade und wie legendär meine Hauspartys werden!
Meiner Meinung nach steht es mir nicht zu, die Argumente anderer zu kritisieren. Jedem Fastabiturienten wird zumindest ein Argument bekannt vorkommen. Außerdem kann man bei dieser Entscheidung kaum ein Mittelding finden, mit dem vollkommene Unabhängigkeit und trotzdem unmittelbare Nähe zu den Eltern erreicht werden kann.
Jeder Mensch hat eine andere Verbindung zu seiner Familie und dementsprechend auch eine andere Konnotation mit dem Famlienbegriff. Meine ist mir heute bewusster denn je geworden: Meine Familie zeigt mir immer wieder, dass ich in mein zukünftiges Leben nicht allein leben möchte. Ich beschränke mich auch nicht ausschließlich auf Eltern; gleichwohl meine ich damit andere Formen des Zusammenlebens, wie eine Partnerschaft. Ohne zumindest eine mir sehr eng vertraute Person kann ich nicht. Ich würde mich so nicht vollkommen fühlen. Kein Stück. Der Gedanke, ganz allein zu sein, macht mir Angst.
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